Zurück.

Eine Reise verklingt in ihren letzten Takten und Endgültig schwingt unterschwellig mit.
Ein Jahr hat vor einigen Tagen ein Ende gefunden und das Kapstadtensemble reiste gen Deutschland und wir erreichten im Akkord unsere Heimat.
Heimat. Das war für mich die Stadt, in der ich geboren wurde, aufwuchs, der Ort an dem meine Eltern wohnen und Freunde singend die Nachtluft zerrissen. Nun, das ist jetzt schwieriger.

Ich mute mir nicht zu, meine Lage beschreiben zu können, ihrer bin ich mir selbst nicht im Klaren.
Mein Flieger landet in Düsseldorf, ich mache meine ersten Schritte auf deutschem Boden und merke, „Zurrückkehren“ ist schwieriger als „Aufbrechen“. Man rüstet sich für das Unbekannte und setzt sich der Fremde aus. Doch, es ist viel mehr ein Versuch, ein Experiment, um herauszufinden, wie man damit umgeht. Der Gedanke, dass meine Tage vom ersten Moment an gezählt waren, spielte nicht im Vordergrund, doch summte im Hinterkopf.

Mein Ankunft war großartig, alle Vermissten versammelten sich im Garten, um mich zu Empfangen. In solch einen Moment wünscht man sich, in Zeiten von Heimweh. Wenn man ihn durchlebt, ist das ein tragendes Gefühl, doch wünscht man sich woanders hin, zurück.

Der Kleine Südafrikaner, kam zurück und versucht der deutschen Gewohnheit und Kritikfreudigkeit standzuhalten. Das unverfrorene Nase hochziehen, der metropolitane Slang, das laute Temperament, alles ausländisch. Ich könnte in da capo von meinem Jahr erzählen, doch nach meinem Dritten Satz verklingt das Interesse meines Gegenüber.
Dur-ch das letzte Jahr haben sich „meine Träume geändert, ich nehme mein Umfeld anders war, habe Angewohnheiten verloren, andere angenommen und gewisse Dinge haben für mich an Wichtigkeit gewonnen“ (nach Kellie Donnelley). Nur hat das noch keiner gemerkt.

Besser wurde es, als ich sechs Tage nach meiner Ankunft umzog. Im Elternhaus zu wohnen, erinnerte mich daran, dass sich die Welt hier langsamer drehte, als meine. Leipzig soll nun meine dritte Heimat werden, ich warte mal ab und versuche mich derweil als Psychologiestudent.

Oft liege ich nun moll-ig in meinem neuen Zimmer, klangreiche Erinnerungen fluten zurück und ein Gedanke bahnt sich seinen Weg aus dem Hinterkopf; deine Tage in Deutschland, ungezählt.
Doch das „Zurückkommen“ lässt sich in keinen prächtigen Farben darstellen. Doch die Fotografien auf diesem Blog sprechen von einer schönen Zeit und Harmoniewechsel machten meine Erfahrung so wertvoll.
Somit würde ich meinen Koffer wieder packen und mit einem Knall die Weite suchen.

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Gefördert.

Liebe Fördergemeinde,

mein Freiwilligendienst ist zu Ende und die Suche nach Spendern ebenfalls.
Im Laufe des Jahres haben sich noch einige herzensgute Menschen zusammengetan und mir diesen Aufenthalt ermöglicht.
An all jene geht ein riesiges Dankeschön!!!
Durch eure Unterstützung konnte ich ein Jahr in meinem Projekt aushelfen.
In Weltwärts-Kreisen wird der Begriff „helfen“ ungern gelesen. Doch in meinen über 1500 Arbeitsstunden habe ich hoffentlich etwas derartiges erreicht.
Durch euch habe ich Mittel und Motivation erhalten, etwas ähnliches noch einmal zu starten.

Vielen Dank!

Spaßpotentiale

Ahoj!

Sie glitt mir durch die Hände, raste vorbei, blieb manchmal stehen und schrumpfte so unbemerkt, dass ich ihre Relevanz leugnete. Doch sie, die Zeit, nimmt endliche Gestalt an.
Genauso schnell, impulsiv, chaotisch und farbenfroh wie sich die letzte, Zeit, für mich anfühlte, werde ich sie euch präsentieren.

Da meine Urlaubstage abgezählt waren, entfloh ich am Wochenende oftmals der Großstadthektik. Mich trieb es…

Ins südafrikanische Hamburg…

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Es ist Anfang Juli. Ich bin in der Kap Metropole. Allein. All die lieben Menschen, die ich hier kennenlernte, verließen mich. Die Schulferien treibt sie an die noch warmen Plätze des Landes und Semesterferien werden zu Hause verbracht, nicht in Kapstadt. Die Regenschlieren an meinem Fenster werden täglich benetzt und die Arbeitsatmosphäre erreicht Kühlschranktemperaturen. Selbst die naiv-optimistische „Phillip-Laune“ zog da Risse. Prompt buchte ich ein Busticket ans Ostkap um zwei Freiwillige im südafrikanischen Hamburg zu besuchen. Das gelassene Dorfklima und der Tagestrip nach Grahamstown zum „National Art Festival“ balsamierten die Seele und ließen mich bestärkter zum gewöhnlichen Alltagswahnsinn zurückkehren…

                                                            Ins Weinland…

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Oben eingefügte Fotos entstanden in Robertson. Ebenfalls Anfang August verbrachte ich ein Wochenende in besagtem Ort, der für seinen vorzüglichen Wein bekannt ist. Das ein oder andere lokale Produkt wurde ausprobiert und überzeugte.


Der gemeine Weltwärtswidersacher meint hier, seinen Argumentationssparten ansetzen zu können, um das Programm aus seinen Angeln zu heben. Dir sei gesagt, ich verniedliche hier keine Trinkeskapaden und arbeite brav meine 40 Stunden in der Woche. In diesem Internet muss man scheinbar sehr vorsichtig sein, wie man sich gibt.

An einen Ort der Kunst und in den Blumen Park…

img_7871img_7887img_7946img_8067Durch einen Bekannten erhielt ich Einblick hinter die Türen des „Ellerman Hauses“. Mister Ellerman besaß eine beachtliche Kunstsammlung ausschießlich südafrikanischer Werke. Ikonen wie Irma Stern werden in diesem Haus ausgestellt. Ein Hotel rühmt das Kulturerbe des Landes, was zumindest von einem Bruchteil der Bevölkerung zugänglich ist.
Ebenfalls fuhren wir in den West Coast National Park, den Park der Blumen.

       Nach Stellenbosch…

Leonie und ich wurden von einem ortskundigen Freund durch die Burenstadt geführt, die stark an ein kleines niederländisches Örtchen erinnert. Wir schlürften Kaffee, sichteten die Nationalblume des Landes ließen den Tag mit einem Spaziergang an der Greenpoint Promenade ausklingen. Dabei bahnten wir uns den Weg zwischen Pseudo-Joggern, Pokemon Jägern und…

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…Pfützen

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Außerdem…

Version 2…hat sich die wechselhafte Wetterlage über die letzten Wochen nicht eingestellt. Allerdings blieb mir der regenreiche Kapstadt Winter (meist) erspart.
Das zweite Foto zeigt eine typische Township-Szene, wenn ich an dieser Stelle mal verallgemeinern darf. Ein künstlerisch konzipierter Bretterhaufen bietet genug Platz für einen kleinen Laden, behangen von Früchten, Zwiebeln und einer reichen Auswahl von Chipssorten. Plastikplanen schützen vor Niederschlag und ein paar Farbkleckse geben dem Etablissement den letzten Schliff. Die uns als Haustiere bekannten Vierbeiner der Nachbarschaft erhalten freien Ein- und Ausgang und die politische Einstellung des Geschäftsführers filtert die Kundschaft. Version 3

… singe ich noch fleißig im Chor.Endlich ist der erste Clip von unserem Chorwettbewerb online verfügbar. Interesse? Zudem fand vor kurzem mein letztes Chorkonzert statt und war ein guter Abschluss.

Das war zu viel für einen Blogeintrag? Womöglich, dies zu erleben überwältigt einen in ähnlichem Maße. Die verbleibenden Tage lassen sich mit den Fingern abzählen, die bei dem Gedanken leicht zusammenzucken….

Fernbus, Frost und Freiheit

Anfang Juni ließ ich erneut den Großstadtrummel, die Verpflichtungen, so wie Langa hinter mir und bereiste einen ganz anderen Teil des südlichen Afrikas. Kaum bewohnt, durch Berge zerklüftet, bevölkert von Hirten und Bauern. Lesotho.

Freitags stiegen Leonie, Vincent und ich in einen Intercape-Fernbus Richtung Bloemfontein. Während der 14 stündigen Fahrt wurden wir glücklicherweise mit besinnlichen Plasmen und Bibelversen aus altem und neuem Testament verpflegt. Ich hatte schon Angst, ich würde vom Glauben abfallen. In der Hauptstadt der Burenprovinz Free State angekommen, trafen wir Pia, holten unser Auto ab und, die Glückssträhne sollte kein Ende nehmen, bekamen ein Upgrade der Vermietung.

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Mit Allrad-Dekadenz bahnten wir uns unseren Weg zur Hauptstadt Maseru. An der Grenze wurden wir kurz aufgehalten. Nicht etwa, weil es Komplikationen mit unseren Papieren gab, nein, der Grenzbeamte fiel in Sekundenschlaf, nachdem ich ihm meinen Reisepass aushändigte. Ohne weitere Skurrilitäten erreichten wir Maseru.

Von da aus begann unsere Reise durch Mittel- und Nordlesotho. Für ortskundige folgt hier die Liste der Stopps, die auf unserer Route lagen; Maseru, Mohlale Dam, Thaba-Tseka, Katse Dam, Butha-Buthe, Oxbow (Afriski), Sani Pass.

Im Lauf der Reise wurde uns schnell klar, dass wir keinen Roadtrip durch bekanntes südafrikanisches Terrain machten. Die größten Städte gleichen eher Townships als Wirtschafts- und Verwaltungszentren eines Landes, die Englischkenntnisse der Basotho (so wie Lesothos Bevölkerung genannt wird) sind oft gebrochen, die Landschaft durch Berge zerrissen und die verstreuten Siedlungen ähneln eher isolierten Mikrokosmen als einem zusammenhängenden Netz. Einzig Eselkolonnen und Hirten, umhüllt von „kobos“ (Decken), wandern auf den hügeligen Landstraßen zu Ortschaften, die wir schon seit einer Halben Stunde hinter uns gelassen hatten.
Lesotho, die Eindrücke unserer Reise hinterließen den Eindruck eines bitterarmen, von Grau und Braun geprägten „Berg-Landes“. Jedwede Entwicklung, von einer HIV Rate von 23% (2003) und einer Arbeitslosenrate von 45% (2002), mit Sicherheit gehemmt…

Nichts desto trotz genossen wir unsere Zeit. Folgende Fotos sollen einen groben Eindruck unserer schönen Tage geben:

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Nahe Maseru

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Mohlale Dam

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Mohlale Dam

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Sonnenuntergang in Oxbow. Das dort situierte Skigebiet stand noch kurz vor der Wintersaison. Skifahren in Afrika somit leider nicht möglich

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Nazareth

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Sani Pass, Adventure Kid Vincent hat uns natürlich für die Besteigung des höchsten Berges des südlichen Afrikas angemeldet. Im Laufe eines Tages erklommen wir den 3482 m hohem Thaban Ntlenyana.

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Thaban Ntlenyana

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Sani Pass, das Feierabendbier blieb nach der Wanderung aus. Die sinkenden Temperaturen zufolge erwärmten wir uns lieber an einem Kakao

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Sani Pass, zu sehen ist die Straße, die uns wieder nach Südafrika führte. Steil, kurvig und wir waren uns einig, unsere Mütter hätten einen Herzinfarkt erlitten.

Um viele Eindrücke reifer und froh im warmen Durban angekommen zu sein, stiegen wir am Folgetag in den Fernbus Richtung Kap.

Bei weiterem Interesse empfehle ich Leonies Beitrag, von dem ich mich inspirieren ließ.

Der Kleine am Kap

Ich verfasse diesen Beitrag nun im dritten Anlauf. Vergeblich versucht ich die letzten chaotisch, bunten Monate in einem einigermaßen flüssig lesbaren Text zusammen zu fassen. Bevor dieser Anlauf auch im Papierkorb endet, probiere ich es mit einem kaleidoskopartigen Bilderblog Viel Spaß.

Durchaus bewusst nehme ich die steigenden Temperaturen in der Heimat wahr und argwöhnisch empfange ich hippe Frühsommerselfies, die Freunde Cocktail schlürfend aus ihrer Hängematte senden. Nach einem halben Jahr Sommer kann ich mich nicht beklagen, doch lasst euch gesagt sein; es ist kalt hier. Wenn man auf´s Thermometer schaut, so schöpft man gelegentlich noch Hoffnung, doch die Meerwinde und schlecht isolierte Häuser tuen ihr Übriges und lassen jegliche Zuversicht erstarren. Ja ja und das in Afrika, man soll´s nicht glauben…
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Version 2Seit meinem letzten Arbeitsupdate ich schon viel Zeit vergangen, die Uhren im Fountain Haus liefen natürlich weiter.
Im Laufe der letzten Monate hat sich die Alltagsoutine weiter verfestigt und die meisten Herausforderungen begegne ich merklich souveräner. So arbeite ich mit den Members nun ausschließlich an selbst designten Produkten, wir produzieren merklich effizienter (Musik in den Ohren des Deutschen) und haben weiterhin viel Spaß in der Workshop Unit.

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Zudem durfte mein Projekt im Mai sein 30 jähriges Bestehen feiern . Zu diesem Anlass wurden alle Geschütze aufgefahren, eine Halle gemietet, Dekorationen entworfen und Member, Aktive und Ehemalige, eingeladen. In alter Fountain Haus Tradition füllten Karaoke, Modeling und ergreifende Reden das Program.

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Ebenfalls im Mai machten sich Leonie und ich auf den Weg in die Stadt, um noch unerkundete Seiten der Stadt (von denen es noch viel zu viele gibt) zu von unserer Liste zu streichen. Es trieb uns in eine versteckte Höhle am Lions Head und ins muslimische Viertel Kapstadts, das Bo Kap. Das Viertel „Über dem Kap“ ist durch seinen bestrichenen Häuser weltbekannt und schenkt auch Möchtegern-Fotografen tolle Aufnahmen.

 

 

14.Juni 2016. Schüsse zerreißen die Luft. Die ausgelassene Partygesellschaft erstarrt, einige Fallen zu Boden.

Die ersten Eilmeldungen über das Attentat in Orlando erreichten mich kurz nach dem Vorfall. Bis jetzt habe ich den neusten Terroranschlägen keinen Raum in meinen Einträgen geschenkt und ich werde meinen Standpunkt hierzu auch nicht näher erläutern. Doch besonders diese Tragödie hat mich, aber auch Kapstadt, das Mekka der „LGBTIQA-Community“, hart getroffen. Aus gegebenem Anlass besuchte ich eine
Gedenkveranstaltung, die eine Plattform für gemeinsame Trauer und Diskussionen bot.

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Auch in Sachen Chor war der Mai ein aufregender Monat. Der afrikaans dominierte Fernsehsender „kyknet“ hat zum ersten Mal zu einem Wettbewerb für Universitätschöre aufgerufen. Dort wirkten wir natürlich mit und auch wenn ich nur Bruchstücke verstand, war es doch interessant vor der Kamera zu stehen und schleimige Komplimente, wie auch würzige Kritik der Juroren entgegenzunehmen.
Zudem veranstalteten wir ein Winterkonzert, was im fancy Baxter Theater stattfand. Zu diesem Anlass wurde meine Gastfamilie, Kollegen und Freunde zusammengetrommelt, doch ich selbst genoss den Abend wohl am meisten. 🙂

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Fazit:
Ich singe, ich sichte, ich sinniere, wenn auch mit Sehnsucht.
Drei Monate liegen noch vor, neun hinter mir. Noch bin ich hier nicht fertig, doch wenn die Zeit reif ist, reise ich gerne zurück gen Heimat.

 

 

Die goldene Stadt

Liebe Bloggemeinde,

die Ressourcen Zeit, Internet, Motivation und Kreativität haben mal wieder zueinander gefunden und haben den folgenden Reisebericht zustande gebracht.

Ende April bin ich mit Willi, Leonie und Nicola nach Johannesburg, die goldene Stadt, geflogen. Herzlich wurden wir von Lara und Judith, zwei Sage Net Freiwilligen die eben dort stationiert sind, in Empfang genommen.
Untergekommen sind wir in Melville, einem zentralen alternativkulturellen Ortsteil “Joburgs”.
Genüsslich haben wir das verlängerte Wochenende hinter uns gebracht, besuchten das Apartheid-Museum, bebummelten den “Arts on Main” Essens- und Handwerksmark, erhielten eine persönliche Führung durch das Projekt unserer Kollegen und bestaunten die Minenstadt von oben.

Zudem besuchten wir Florian, den wir auf dem Zwischenseminar kennenlernten. Florian wohnt und arbeitet in Kliptown, dem ältesten Teil des größten Townships Südafrikas, Soweto (South-Western-Township).

Nach monatelangem Aufenthalt im Kapstadt war es sehr interessant, Eindrücke in einer anderen südafrikanischen Metropole zu sammeln. Auf die unübersehbaren Unterschiede war ich allerdings nicht vorbereitet.
Eine Rundfahrt durch die Innenstadt “Jozies” bat einen dreckigen und unheimlich Eindruck. Auf Laras Hinweis haben wir unsere Taschen im Fußraum gelagert, damit wir neben unserer Hautfarbe, die mir dort selten zu Gesicht kam, nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf uns zogen. Generell bekam ich das Gefühl, dass Johannesburg eher eine Stadt der Klasse und Kapstadt eine Stadt der Rasse ist. Viel zu oft kann man auf Basis der Hautfarbe eines gebürtigen “Capies” finanziellen Hintergrund und Bildungsstand ablesen. Zwar ist mein Eindruck von Johannesburg begrenzt, doch sah ich deutlich mehr Schwarze aus teuren Autos aussteigen und in gehobenen Restaurants essen… (Bevor ein Shitstorm ausbricht, ich beziehe mich hier ausschließlich auf meine persönlichen Erfahrungen!

Gut genährt an Eindrücken ging es leider viel zu früh zurück nach Kapstadt…

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Auf den Straßen Johannesburgs

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Apartheid Museum, Johannesburg

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Arts on Main

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Arts on Main

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Top of Africa, Carlton Center

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Top of Africa, Carlton Center

 

Unterwegs.

Mein letzter Reisebericht ist schon so lange her, wie eure letzte Weihnachtsbescherung. Aus gegebenem Anlass werde ich euch daher einige Eindrücke dessen vermitteln, was ich innerhalb der letzten Monate in und um Kapstadt erlebt habe. Dabei werde ich meine rhetorischen Ressourcen ruhen lassen und mich hauptsächlich des Mediums Foto bedienen.

16. Februar 2016
Herzensglücklich und völlig aufgelöst begrüßte ich meine Schwester am Flughafen. Fernab vom Unistress, dem deutschen Winter und meinen täglichen Verpflichtungen ließen wir uns unter südafrikanischer Spätsommersonne durch die “Mother City” teiben…

 

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Kalk Bay

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Lions Head

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Lions Head

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Cape Point (begleitet von ihren drei Geschwistern)

 

12. März 2016
Frederieke wieder in Deutschland wissend, hieß ich einige Wochen später Alina, die ihren Weltwärtsdienst in Togo bestreitet und einen Freund aus der Heimatstadt (Nils) willkommen.
Wir drei und Willi setzten uns ins Auto und bereisten die Südküste. Entlang der leicht touristisch konventionellen Garden Route stießen wir auf entlegene Backpackers, deutsche Enklaven, eingezäunte Wildnis und Schönheit, die in den kleinen Dingen liegt…

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Wild Spirit Backpackers Lodge, Plettenberg Bay

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Wild Spirit Backpackers Lodge, Plettenberg Bay

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Wild Spirit Backpackers Lodge, Plettenberg Bay

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Wild Spirit Backpackers Lodge, Plettenberg Bay

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Wild Spirit Backpackers Lodge, Plettenberg Bay

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Addo Elephant Park,

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Addo Elephant Park

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Addo Elephant Park

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Schotia Game Reserve

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Schotia Game Reserve

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Schotia Game Reserve

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Scotia Game Reserve

 

24. März 2016
Alina wurde verabschiedet, das Zwischenseminar erfolgreich hinter sich gebracht und die Reiselust ein weiteres Mal strapaziert. Das verlängerte Osterwochenende wurde brav ausgenutzt und trieb Nils, Langzeit-Main-Chick Leonie und mich nach Durban. Die in Kwa-Zulu-Natal (“Land der Zulu”) gelegene Metropole weist die höchste Inderquote außerhalb Indiens auf und ist besonders für ihr warmes Klima bekannt.


 

Kleiner Klugscheißereinschub:
Der Stamm der Zulu ist der größte Kulturkreis des Landes. Von ihnen hat sich vor Jahrhunderten meine Gastkultur, Xhosa, abgespalten. Somit gibt es viele Gemeinsamkeiten, die Sprache ist beispielsweise sehr ähnlich.
Als Mandela aus dem Gefängnis entlassen wurde und die ersten freien Präsidentschaftswahlen anstanden, sahen es viele Zulus als selbstverständlich an, dass aus ihren Reihen, der doch größten Bevölkerungsgruppe, ein Oberhaupt den Staat regieren sollte. Stattdessen wurde Nelson Mandela gewählt, der sich als Mitglied des Xhosa Stammes verstand. Die Beziehung zwischen Zulu und Xhosa ist unter anderem deswegen immer noch unterschwellig angespannt.


 

Und während wir nach einer 20 stündigen Autofahranreise, leicht bekleidet am Strand entlang spazierten, entkamen wir dem feucht kalten Osternzeit, welcher sich die Zurückgebliebenen stellen mussten. Völlig in Muße getränkte Planlosigkeit eröffnete uns folgende Anblicke…

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N2 (Autobahn), irgendwo im Eastern Cape

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N2, Eastern Cape

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N2, auf der Grenze zwischen dem Eastern Cape und Kwa-Zulu-Natal

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N2, Kwa-Zulu-Natal

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Midlands, nahe Pietermaritzburg

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Midlands

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Midlands, Nelson Mandela Capture Site

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Midlands, Il Postino Pizzaria

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Midlands

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Phe Zulu, Valley of a thousand Hills

 

Um viele Erlebnisse bereichert und sehr müde bin ich wieder in Kapstadt angekommen. Langsam finde ich mich in meinen Alltag ein und mit einem merklichen Motivationsschub bin ich täglich im Fountain House aktiv.
Zusätzlich wohne ich zwei Mal die Woche den Chorproben der UCT (University of Cape Town) bei und bereite mich auf mein erstes Konzert vor.

Mit Vorfreude aufs Wochenende und der Aussicht auf regelmäßigere Blogeinträge, mache ich mich gleich auf den Weg nach Langa…

Halbzeit.

Halbzeit. Angekommen, Aufgenommen, Leben genossen, Tränen vergossen, Heimwehsorgen, die Freude auf Morgen.

Sechs Monate sind verstrichen. Weltwärts vermag dies in eine Zwischenseminar zu betten. 5 Tage verschlug es die Sage Net Freiwilligen und Ehrenamtliche anderer Organisationen nach Wortlegat bei Hermanus.
Es wurde sich in die Arme gefallen, reflektiert, debattiert und evaluiert.
Können Schwarze rassistisch handeln? Ist Südafrika die Regenbogennation? Was bereitet uns Freiwilligen Probleme? All diesen Themengebieten haben wir uns angenommen.
Mit einigen Antworten, neuen Bekanntschaften und Motivationen für alles was kommen mag, verließ ich das gerne besuchte Seminar.

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Freiluft zum Gedankenkreisen

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Zoo der Freiwilligen

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Die Zukunftslandkarte

Halbzeit. Gerne schaut man auf die persönliche Entwicklung zurück und mit Wohlwollen denkt man an die geliebten Zurückgebliebenen, deren Wiedersehen näher rückt.
Vordergründig habe ich aber noch sechs Monate (!) um Ziele zu erreichen, mein Projekt zu unterstützen und die mir gegebene Chance auszukosten.

Was machst du jetzt eigenlich genau in Südafrika?

Liebe Gemeinde,

es wird wieder Zeit für einen Blogeintrag. Beschämender Weise habe ich über meine eigentliche Arbeit hier erst sehr wenig geschrieben. Bevor ich jedoch über kleinere Projekte berichte, an denen ich beteiligt bin, werde ich noch einmal die Grundstruktur meiner Arbeitsstelle darlegen.

Erwartet also keinen spannenden Reisebericht mit vielen Bildern und verrückten Geschichten, sondern eine ausführliche Schilderung, die euch folgende Frage beantwortet. ”Was macht Phillip eigentlich den ganzen Tag?”

Das Fountain Haus ist ein psychosoziales Rehabilitationsprogramm und Teil der Cape Mental Health Society, die sich am Western Cape um Menschen mit verschiedenen Behinderungen kümmern.
Mein Projekt ist eine Anlaufstelle für Erwachsene mit psychischer Behinderung, wie zum Beispiel Schizophrenie oder bipolarer Persönlichkeitsstörungen. Wenn ein Psychiater eine solche Behinderung diagnostiziert und seinen Patienten medikamentös einstellt kann er an das Fountain Haus vermittelt werden.
Wenn er von unseren Mitarbeitern als geeignet befunden wird, wird er Member (Mitglied) unseres Programms. Nun wird er einer Unit zugeteilt. In der Catering Unit wird hauptsächlich aus Essensspenden jeden Tag eine warme Mahlzeit zubereitet. Die Administration Unit kümmert sich um den Postverkehr, kopiert, faxt, tippt und übernimmt die Bankgeschichten. In der Workshop Unit, die natürlich mit Abstand die Beste ist, werden Basteleien aller Art angefertigt. Grußkarten, Briefpapier, Perlenschmuck usw. In diesen drei Units können unsere Member unterschiedliche Fähigkeiten und soziale Kompetenzen erwerben, die ihnen den Einstieg in die Arbeitsgesellschaft vereinfachen soll.
Die Employment Unit ist die Vierte. Diese ist das Bindeglied zwischen dem Fountain Haus und der Arbeitswelt. Durch sie können Member, die bereit für die Arbeitswelt sind, an Praktikumsstellen oder Arbeitgeber vermittelt werden. Es wird angestrebt, dass die Member irgendwann komplett selbstständig arbeiten und auf die Unterstützung  das Fountain Hauses nur im Notfall zurückgegriffen wird.
Auch wenn Unterschiede zwischen den Members und den Mitarbeitern bestehen, handeln wir nach dem „Club Haus Model“, welches besagt, dass wir uns alle auf einer Augenhöhe begegnen. Members Patienten oder Klienten zu nennen ist somit falsch. Die Teilnahme an dem Program ist völlig freiwillig und wenn sich Mitglieder nicht angemessen verhalten, sich weigern zu arbeiten oder unseren Prinzipien widersprechen, werden sie dem Fountain Haus verwiesen. Mit den Members halten wir ein Arbeitsumfeld aufrecht, welches der „wirklichen“ Arbeitswelt“ ähnelt.
Das Kimber Haus ist ein weiteres Projekt der Cape Mental Health Society und nur 5 Fußminuten Fußweg vom Fountain Haus entfernt.
Grob ausgedrückt ist es eine WG, in der Menschen mit psychischer Behinderung (Residents) betreut wohnen. In zwei Doppelhaushälften hausen 6 Männer und 5 Frauen. Die Residents sollen allerdings nicht auf Dauer dort wohnen, vielmehr sollen sie lernen, wir man unabhängig lebt, um dies außerhalb des Kimber Hauses fortsetzen zu können. Viele Bewohner sind sehr eigenständig und arbeiten, andere müssen jeden Tag an dem Programm im Fountain Haus teilnehmen.

Mein Arbeitsalltag gestaltet sich demnach wie folgt. Wenn sich mein Minibus Taxi nicht im Stau verheddert, komme ich meist pünktlich um 8 Uhr im Kimber Haus an, um dort die Residents aufzuwecken.
Danach gehe ich zum Fountain Haus um dem Morgen Meeting beizuwohnen. Dort wird besprochen, mit was sich jeder Mitarbeiter (Staff) den Tag über beschäftigt, bevor sich Staff und Member auf ihre Units verteilen.
Mit der Zeit wurde das Anfertigen von unseren Produkten vollständig mir überlassen. Während sich also die Workshop Manager um die Organisation der Unit kümmern (eine der beiden, Roshan, managt ebenfalls das Kimber Haus), beschäftige ich die Member und mich mit allen möglichen Basteleien. Zur Zeit stellen wir zum Beispiel Produkte für Valentins Tag her. Diese Stunden genieße ich besonders, da mir viele Freiheiten gelassen werden und durch meine Kreativität und Fähigkeiten und die der Member am Ende ein greifbares Produkt hat. Ich wage zu behaupten, dass das in der sozialen Arbeit etwas Besonderes ist und die Members durch den visuellen Erfolg profitieren.
Nach der Mittagspause nehmen die Member an einem einstündigen Mittags Programm teil, dass ausschließlich Freiwilligen geplant und durchgeführt wird. Zur Zeit ist neben mir noch Kim (ebenfalls Sage-NET) Volunteer im Fountain Haus und der Administration zugehörig.
Jeder Tag steht unter einem anderen Motto, sodass wir im Laufe der Woche mit den Membern Spiele spielen, sie sportlich stimulieren und Workshops rund um das Thema „Arbeitswelt“ veranstalten. Auch bei dem Mittagsprogramm werden uns wenig Vorgaben gemacht, sodass wir unsere (vertretbaren) Ideen frei umsetzten können. Donnerstags lasse ich Kim mit dem Afternoon Program alleine und überrasche die Kimber Haus Bewohner mit einer Wellness-Session. Zum Beispiel gehen wir zusammen schwimmen, schauen Filme oder kunsttherapieren vor uns hin.
Um 14:20 haben wir unser Programm meist beendet. Danach planen wir bis 16 Uhr die Mittagsworkshops für die Woche oder bereiten uns in unser Unit für den Folgetag vor.
Wenn ich dann um 17 Uhr wieder zu Hause in Langa ankomme, bin ich auch nach der Eingewöhnungsphase noch sichtlich erschöpft. Am nächsten Morgen stehe ich aber wieder auf, was viel aussagt.

Ich bin mir sicher, die wenigsten sind mir bis hier hin mit höchster Konzentration gefolgt. Das ist schon ok.
Ansonsten geht es mir gut. Zwischen Januar und Februar war ich auf einem Festival, ich gehe nun regelmäßig in die Township-Gym und in ein paar Tagen empfange ich meine Schwester in Kapstadt. Beklagen kann ich mich nicht.

Und ihr habt neben meiner schofligen Art einen Blog zu führen hoffentlich auch keinen Anlass.

 

Phillip

 

Wüste, Wandern, Weihnachten

Liebe Gemeinde,

seit längerer Zeit habe ich meine Urlaubstage schon hinter mir gelassen, doch um auch diesen Blogeintrag mit gewöhnlicher Unpünktlichkeit zu veröffentlichen, ließ ich mir Zeit.

Nachdem die Dezemberwochen mit vorweihnachtlichem Stresspegel an mir vorbeigezogen waren, begann für mich mein erster Urlaub.

Ziel: Westküste und ein Sandhauch Namibia

Die Vorbereitungen für die Reise wurden früh angefangen, jedoch erst maßgeblich eine Woche vorher beendet. Nichts desto trotz verließen wir, Vincent, Leonie, Willi und ich, am 19. Dezember das regnerische Kapstadt und fuhren gen Norden.
Da das Einfügen einer Karte, die unsere Route graphisch darlegt, mich und den Computer des Internetcafes überfordern würde, muss eine Liste der von uns angefahrenen Orte genügen.

– Cederberge (Grootkloof)
– Lamberts Bay
– Springbok
– Port Nolloth
– Sendeligsdrif
– (in der Nähe von) Hobas
– Karasburg
– Augrabiesfalls

12 Nächte hatten wir vor uns, 6 Unterkünfte bereits gebucht. Somit hielten wir uns an jedem Ort ein bis zwei Nächte auf, eilten meist später als geplant zum nächsten Highlight und suchten vor Ort nach einer Unterkunft. Unerwartet landeten wir in einem Bed & Breakfast ohne Breakfast, nächtigten im Auto und in einem Villa ähnlichen Ferienhaus.
Neben uns waren zwei weitere befreundete Gruppen an der West Coast unterwegs, den wir das ein oder andere Mal  über den Weg liefen, was unseren Trip sehr abrundete.

Ich werde nicht aufführen, wo wir wie lange waren und was uns dort im Detail widerfahren ist. Wen das jedoch interessiert, ist herzlich dazu eingeladen bei Leonies Blog einen gut geschilderten Reisebericht zu finden.

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Dem Grosßstadtleben entflohen, wurden wir von der ruhigen Cederberg Idylle entschleunigt…

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wanderten durch die schroffe Landschaft…

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und genossen die Ruhe unseres abgelegenen Chalets…

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Nach einer kurzen Autofahrt erreichten wir die verträumte Surferstadt Lamberts Bay und stießen auf feminine Verstärkung aus Gauteng…

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Zusammen machten wir uns nach Springbok auf, wo wir nur einen kleinen Zwischenstoff einlegten, letzte Sonnenstrahlen genossen…

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Und am nächsten Tag im nah gelegenen Goegap Nature Reserve Steine, Sand, Weite und Mittagssonne erlebten…

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Die Festtage verbrachten wieder mit Lara und Linda, sowie mit einer Vielzahl von Affen im Richtersveld National Park, der sich über Südafrika und Namibia erstreckt und durch den Orange River geteilt wird…

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Von der Familie getrennt feierten wir bei guten 30 Grad Weihnachten, im wie erwartet sehr minimalistischem Stil. Heimweh kam da nur in Grenzen auf und war auszuhalten. Gute Gesellschaft wirkt Wunder…

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Bald darauf setzten wir mit der Fähre nach Namibia, und fuhren dort durchs sandig wüstige Landesinnere…

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Zusammen statteten wir dem Fish River Canyon einen Besuch ab, der neben dem Grand Canyon der größte der Welt ist…

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Unseren letzten Stopp machten wir bei den Augrabie Falls und nächtigen in einem sehr hippen Backpackers. Die Wasserfälle waren aufgrund des warmen Klimas nicht so beeindruckend, das dazugehörige Nature Reserve dafür umso mehr.

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Am Folgetag fuhren wir an einem Tag zurueck Richtung Tafelberg und erreichten abends unser Ziel. Erleichtert. Geschafft. Und doch wehmütig…

 

Nachdem dann auch Silvester entspannt in der Mother City verbracht wurde, fing für mich am 4. Januar die Arbeit wieder an. Verstärkung erhalte ich ab jetzt von Kim, der auch von Sage NET gesandt wurde.

Eine ereignisreiche Zeit liegt hinter mir und die nächsten Monate bringen mit Sicherheit keine Langeweile. Egal was passiert, ich halte euch auf dem Laufenden.

Phillip

 

P.S. Ich habe noch keinen Artikel über meine Arbeitsstelle veröffentlicht. Dieser wird nicht mehr lange auf sich warten. Trotzdem will ich jetzt schon einmal unterstreichen, dass ich hier in Suedafrika NEBEN meinem Dienst im Projekt, die meine Arbeitswoche in Anspruch nimmt, Urlaub habe. Nicht das wir da etwas verwechseln.